Archiv für die Kategorie ‘Seelsorge’

Seelsorge ist ihm wichtig

Sonntag, 19. Dezember 2010

Mit Ralph Hermann tritt am Sonntag der neue Hülbener Pfarrer sein Amt an. Künftig ist er für 2200 evangelische Christen im Ort verantwortlich. Zusammen mit ihnen will er die Gemeinde weiterentwickeln.

Die Alb hat sich in den vergangenen Tagen von ihrer schönen Seite präsentiert und entbot der neuen Hülbener Pfarrfamilie damit einen besonderen Willkommensgruß. Vergangene Woche sind Sabine und Ralph Hermann mit ihrem dreijährigen Sohn David ins renovierte Pfarrhaus eingezogen. Die beiden Töchter der Familie sind nicht mit auf die Alb gekommen. Sarah (20) steht beruflich auf eigenen Beinen, die 18-jährige Kathrin schreibt demnächst ihr Abitur, weshalb ein Schulwechsel ausgeschlossen war.

Mit der Amtseinsetzung von Ralph Hermann am Sonntag endet für die evangelische Kirchengemeinde eine recht kurze Vakatur. Dass sich der 46-jährige Hermann für die Gemeinde auf der Alb entschieden hat, ist nicht zuletzt dem Engagement der Hülbener zu verdanken. Noch bevor die Pfarrstelle ausgeschrieben worden ist, hat Ralph Hermann einen Anruf aus dem Ort erhalten. Ob er sich vorstellen könne, Seelsorger auf der Alb zu werden? Im Laufe des Gesprächs fiel auch der Satz, die Gemeinde strebe eine Erneuerung an. "Diese Aussage", erinnert sich Hermann, "hat mich elektrisiert." Schließlich gehört er dem Arbeitskreis für geistliche Gemeindeerneuerung an, deren Mitglieder sich der charismatischen Bewegung zurechnen.

Neun Jahre lang war er Vorsitzender des Arbeitskreises. Ein Amt, das er gerne weiter ausgeübt hätte, wie er sagt. Allerdings wollte er der Familie Priorität einräumen, schließlich sei sein Sohn noch klein. Zum anderen habe der Vorsitzende viele organisatorische Fragen zu regeln, er hingegen wolle sich lieber der praktischen Seelsorge widmen. Denn dieser Aspekt seiner Arbeit ist ihm seit dem Studium der liebste, wie er erzählt. Seine theologische Ausbildung hat er unter anderem an den Universitäten Heidelberg, Tübingen und Wien erhalten. In der österreichischen Hauptstadt verbrachte er ein Semester. Das dortige evangelische Seminar legte dabei unter anderem einen Schwerpunkt auf die Psychologie, kein Wunder in der Stadt Sigmund Freuds, wie Ralph Hermann sagt.

Die Vikarszeit verbrachte er in Staig bei Ulm, später war er in einer Schwarzwaldgemeinde tätig. Die vergangenen zehn Jahre stand er als Pfarrer den 1750 evangelischen Christen in Abstatt vor, einer Gemeinde im Landkreis Heilbronn. Außerdem war Hermann Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Abstatt. Sein Dienst beschränkte sich allerdings nicht nur auf die Brandbekämpfung oder auf die Hilfeleistung bei Unfällen. Zusätzlich war Hermann als Notfallseelsorger tätig. In dieser Eigenschaft wurde er von seinen Kameraden zu Hilfe gerufen, wenn es galt, Unfall- oder Brandopfern sowie deren Angehörigen beizustehen.

Seinen Feuerwehrhelm hat Ralph Hermann mit nach Hülben gebracht, auch auf der Alb würde er gerne weiter mit den Brandbekämpfern ausrücken, wie er Kommandant Gabriel Greiner bereits mitgeteilt hat. In seiner neuen Gemeinde ist ihm zuerst "die schöne, helle, warme Kirche" aufgefallen, die Platz für viele Gläubige bietet. Nun möchte er gemeinsam mit dem Kirchengemeinderat und den Gemeindegliedern Bewährtes gestalten und Neues anpacken. "Vieles ist schon angedacht", sagt Hermann, "aber noch nicht richtig angelaufen." Ein besonderes Augenmerk will er zudem auf den Konfirmandenunterricht legen. Als Religionslehrer wird er zunächst wohl an der Grundschule in Wittlingen tätig sein, da nach dem Weggang von Siegbert Ammann diese Stelle unbesetzt ist.

Seinen ersten Gottesdienst in Hülben wird Ralph Hermann am Sonntag ab 10 Uhr in der Hülbener Christuskirche halten. Im Anschluss gibt es einen Empfang im Gemeindehaus, bei dem auch Grußworte gesprochen werden.

quelle: http://www.swp.de/metzingen/lokales/alb-neckar/art5684,702345

Gefängnisseelsorge in der JVA Halle

Donnerstag, 09. Dezember 2010

Pfarrerin Barbara Sonntag übernimmt Gefängnisseelsorge in der JVA Halle

Halle hat seit Freitag eine neue Gefängnisseelsorgerin. Pfarrerin Barbara Sonntag wurde im Rahmen einer Feierstunde in der Kirche des Roten Ochsen offiziell in das Amt eingeführt. Sie übernimmt diese Aufgabe an der Justizvollzugsanstalt Halle für den Evangelischen Kirchenkreis Halle-Saale, der sich seit vielen Jahren um die Seelsorge der Gefangenen in Halle verdient macht. Bis Ende Juli 2010 war dies vor allem das Tätigkeitsfeld von Hanna Haupt, die nach 20 Jahren Gefängnisseelsorge aus dieser Aufgabe ausgeschieden ist. In ihrer Nachfolge hat am 1. Oktober 2010 Barbara Sonntag diese Funktion übernommen.

Justizstaatssekretär Bernhard Sterz anlässlich der Amtseinführung: „Gefängnisseelsorge wendet sich jedem Inhaftierten mit seiner eigenen Biografie und seiner jeweiligen Straftat zu. Gefängnisseelsorger nehmen u. a. eine wichtige Mittlerfunktion ein, wenn es darum geht, dass sich der Gefangene mit seiner Tat und deren Folgen auseinandersetzt und möglicherweise eine Umkehrbereitschaft entwickelt. Die Seelsorger sind zugleich eine wichtige Stimme bei einer kritischen Begleitung des Strafvollzugs. Ich wünsche Barbara Sonntag für ihre neue Tätigkeit viel Erfolg.“

In Sachsen-Anhalt sind aktuell 17 Gefängnisseelsorger tätig. Neun von ihnen gehören der evangelischen, acht der katholischen Kirche an. Ihre Arbeit basiert auf Verträgen, die das Land Sachsen-Anhalt 1994 mit den Evangelischen Landeskirchen und im Jahr 2000 mit dem Bistum Magdeburg geschlossen hat. Seelsorgerische Angebote gibt es an allen Standorten des Justizvollzuges in Sachsen-Anhalt, einschließlich der Außen- und Nebenstellen. Zu den Aufgaben gehören u. a. die Durchführung von Gottesdiensten, die seelsorgerische Beratung in Einzel- und Gruppenarbeit, soziale Hilfestellungen sowie die Betreuung von Angehörigen und Bediensteten.

quelle: http://www.halleforum.de/Halle-Nachrichten/Justiz-Neue-Gefaengnisseelsorgerin-in-Halle/29060

Palliativversorgung – Seelsorge und Medizin kooperieren

Freitag, 03. Dezember 2010

Mit der „Palliativversorgung“ griffen die Berger und Bippener Landfrauen ein aktuelles Thema auf. Vorsitzende Hanni Tolle hieß als Referenten Gerhard Klues und Schwester Agnes vom Elisabeth-Krankenhaus Thuine willkommen.

Gerhard Klues ist seit 30 Jahren als Krankenpfleger im Beruf und hat auf dem Gebiet der Palliativversorgung viele Erfahrungen gesammelt. Er ist als Koordinator und Pflegedienstleiter tätig. Schwester Agnes arbeitet seit zwei Jahren in der vor fünf Jahren eingerichteten Palliativstation in Thuine.

Die beiden Referenten informierten vor allem über die Arbeit der Station. Zunächst betonten sie aber, dass es nicht nur darum gehe, „dem Leben mehr Tage zu geben“, sondern darum, die „Symptome zu lindern, auch mit den Mitteln der Medizin und der Seelsorge“. Die am 1. Juli 2005 eröffnete Station arbeitet dabei nicht nur stationär. Auch ambulante Hilfe ist möglich. Für die Arbeit stehen sechs Einzel- und ein Doppelzimmer zur Verfügung.

Seit Juli 2006 wird der Palliativstützpunkt südliches Emsland im Elisabeth-Krankenhaus vom Land Niedersachsen gefördert. Vor zwei Jahren wurde dann der ambulante Palliativpflegedienst eingerichtet. Seit November 2009 verfügt er über Fahrzeuge, um jederzeit, besonders an Wochenenden, den Betroffenen helfen zu können. Der Dienst ist rund um die Uhr erreichbar.

Weiterhin gingen die Referenten auf das Ziel ihrer Arbeit ein. Vor allem die psychischen, sozialen und seelsorgerischen Bedürfnisse des Menschen stünden im Mittelpunkt. Dazu gehöre auch, den Tod als Teil des Lebens zu akzeptieren.

Die Referenten gaben weiterhin einen Einblick in den Tagesablauf auf der Station. Der Rhythmus werde den Bedürfnissen des Patienten angepasst, Wünsche nach Möglichkeit erfüllt, hieß es. Hierzu gehörten Massagen und Bäder ebenso wie Essen nach Wunsch. Ein lebhaftes Frage-und-Antwort-Spiel schloss sich an. Deutlich wurde dabei, dass die Station überkonfessionell arbeitet.

quelle: http://www.noz.de/artikel/49026572/seelsorge-und-medizin-kooperieren

Seelsorger sind in grosser Sorge

Freitag, 26. November 2010

Die Versammlung der Seelsorgerinnen und Seelsorger Nidwaldens hatte Grund zur Freude: Alle zur Wahl Vorgeschlagenen wurden ohne Gegenstimmen gewählt und alle Ämter und Posten sind gut besetzt. Grosse Sorge bereitet dem Dekanat aber weiterhin die Diskussion um Martin Grichting als möglichen Weihbischof im Bistum Chur.

Alle vier Jahre ist das Karlskapitel des Dekanats Nidwalden Wahlkapitel. Glücklicherweise stellte sich der gesamte Vorstand für eine Wiederwahl zur Verfügung. Generalvikar Martin Kopp leitete die Dekanenwahl, die jeweils schriftlich erfolgt. Pfarrer David Blunschi, Stans, wurde ohne Gegenstimme wiedergewählt, und der grosse Applaus war Zeichen der Dankbarkeit für seine grosse und nicht immer einfache Arbeit. Dekan Blunschi dankte der Versammlung für das Vertrauen und die Unterstützung seiner Arbeit, besonders jener seiner Kolleginnen und Kollegen im Vorstand. Auch sie wurden alle mit Applaus für weitere vier Jahre gewählt: Idamia Herger (Beckenried), Markus Elsener (Stans), Erich Lehmann (Wolfenschiessen) und Robi Weber (Hergiswil). Die beiden Rechnungsrevisoren, Franz Bircher (Obbürgen) und Arthur Salcher (Stansstad), wurden in ihrem Amt bestätigt. Christina Bosoppi-Langenauer (Büren, bisher), Silvia Brändle (KAN, bisher) und Josef Zwyssig (Buochs, neu) bilden die Pastoralplanungskommission. Die Versammlung nahm die Wahl von Markus Blöse (Ennetmoos) in den diözesanen Rat der Laientheologinnen, Laientheologen und Diakone zur Kenntnis.

So erfreulich das Traktandum Wahlen war, so bedrückt war die Stimmung als in der Versammlung die befürchtete Ernennung von Martin Grichting zum Weihbischof thematisiert wurde. Bereits im Sommer haben die Dekanate Nidwalden und Obwalden in einem gemeinsamen Brief an Bischof Vitus Huonder ihrer grossen Sorge Ausdruck gegeben, dass eine solche Ernennung das Bistum weiter spalten und zu Streit und Unfrieden führen würde. Darunter würde auch die Seelsorge in den Pfarreien leiden. Diese Sorge ist in der Zwischenzeit noch gewachsen: Unangenehm ist, dass niemand richtig informiert ist über den Stand der Dinge, und äusserst beängstigend ist, dass die Ernennung von Martin Grichting als zweiten Weihbischof wirklich befürchtet werden muss. Die Dekanatsversammlung beschloss ohne Gegenstimme die Aussagen des Briefes vom Sommer nochmals zu unterstreichen: Sie bittet Bischof Vitus Huonder mit Nachdruck, auf die Ernennung eines zweiten Weihbischofs zu verzichten, und betont, dass Martin Grichting für sie als Weihbischof nicht in Frage kommt, da seine Ernennung nur Streit und eine Verhärtung zwischen Bistumsleitung und Landeskirchen bringen würde. Falls diese Situation weiter eskaliert, wäre sogar der Religionsfriede in den Kantonen des Bistums Chur ernsthaft gefährdet.

quelle: http://www.onz.ch/artikel/103923/

Knapp vorbei an wunderbar

Donnerstag, 18. November 2010

Wir haben Demonstranten und Polizisten miteinander lächeln sehen. Beim Wegtragen!" Stefan Wichert-von-Holten, der Probst des evangelischen Kirchenkreises Lüchow-Dannenberg, zieht nach dem Einsatz beim Castor-Transport eine ausgesprochen positive Bilanz. 72 Seelsorger waren von Freitag bis Dienstag im Einsatz.

Ihre Aufgabe: Die Lage beobachten, für Demonstranten und Polizisten ansprechbar sein und eingreifen, wenn Gewalt angewandt wird. Bei der Auflösung einer Sitzblockade in Gorleben gab es laut Wichert-von-Holten an einer Stelle "eine Unverhältnismäßigkeit der Polizei", die sei aber sofort erkannt worden. Bei der Räumung der Gleise in Harlingen baten Demonstranten die Seelsorger, als "Gesprächsbrücke" zur Polizei zu fungieren, "die Polizisten waren übermüdet und heilfroh über diesen Gesprächsfaden", freut sich der Probst.

Die Pfarrer, Diakone und Ehrenamtlichen in ihren weißen Westen mit der Aufschrift "Seelsorger" hätten wie ein "kleiner Taschenspiegel" gewirkt: Sie wurden von beiden Seiten angesprochen mit der Frage: "Was beobachten Sie gerade? Hier gibt es eine Überforderung!" Die Rückmeldung der Seelsorger sei dann erstaunlich schnell umgesetzt worden.

Probst: "Politik ist eine Zumutung"

In vielen Situationen hätten sich Demonstranten und Polizisten beieinander bedankt, so Wichert-von-Holten. "Die Polizei hatte Respekt vor den Demonstranten. Wir wissen aus den Gesprächen, dass das absolute Gros der Polizei die Meinung der Demonstranten teilt. Sie waren erstaunt über die Menge der Menschen und über die Art und Weise der Demo." Die Polizei habe Friedlichkeit erlebt, das selbst durch Friedenswillen eingelöst und insgesamt einen sehr guten Dienst gemacht, lobt der Probst die Beamten. Sehr vieles sei erstaunlich gut verlaufen, so wie er es vorher nicht angenommen habe.

Wichert-von-Holten ist froh darüber, dass die Seelsorger zum Erfolg der Protestaktionen beitragen konnten. Es sei nicht nur Stimmung, sondern qualifizierte Meinung an die Öffentlichkeit gebracht worden. Inhaltlich steht die evangelische Kirche im Wendland auf der Seite der Castor-Gegner: "Die Nachvollziehbarkeit der Politik ist momentan eine schwerwiegende Herausforderung. Um nicht zu sagen eine Zumutung", sagt der Probst. Niemand habe Verständnis dafür, dass alternativlos nur in Gorleben ein Endlager-Standort erforscht werden soll.

quelle: http://www.evangelisch.de/themen/politik/gorleben-bilanz-der-seelsorger-knapp-vorbei-an-wunderbar25829

Umstrittener Pfarrer darf wieder in die Seelsorge

Freitag, 12. November 2010

In den 1970er Jahren hatte ein Pfarrer sexuellen Kontakt zu einer Ministrantin – und wurde in den Ruhestand versetzt. Jetzt darf er wieder arbeiten.

Ein Pfarrer, der wegen eines sexuellen Kontaktes zu einer Ministrantin im April in den Ruhestand versetzt worden war, wird wieder in die Seelsorge einbezogen. Wie die Diözese Würzburg mitteilte, wird die als Strafe gedachte Ruhestandsversetzung des 64-Jährigen aufgehoben. Er erhält die seelsorgerische Leitung des Emmaushofes in Gauaschach (Landkreis Bad Kissingen), einer Wohn- und Lebensgemeinschaft für Menschen aus Randgruppen der Gesellschaft. Ziel der Wohngemeinschaft sei ein straf- und drogenfreies Leben.

Die neue Aufgabe sei dem Geistlichen "nach sorgfältiger und umfassender Prüfung" übertragen worden. "Im konkreten Fall kann ein Priester wieder in begrenztem Umfang in der Seelsorge eingesetzt werden", sagte Bistumssprecher Bernhard Schweßinger. Der Priester habe Einsicht und Reue gezeigt, er haben sich zudem nach seiner Versetzung in den Ruhestand einer intensiven "psychologischen sowie spirituellen Begleitung" unterzogen.

Der Mann hatte nach Angaben des Sprechers auf entsprechende Vorwürfe gestanden, 1978 sexuelle Kontakte zu einer Ministrantin gehabt zu haben und sich daraufhin selbst angezeigt. Er habe sich im Rahmen der Aufarbeitung auch mit dem Opfer und einem Psychologen getroffen.

quelle:http://www.sueddeutsche.de/bayern/wuerzburg-umstrittener-pfarrer-darf-wieder-in-die-seelsorge-1.1022733

Albrecht Ackerland über Telefonhilfe

Samstag, 16. Oktober 2010

Da schau her! Blindlings dem unbekannten „Freund” seinen Seelenschmerz am Sorgentelefon anvertrauen

Es traf immer einen Unschuldigen. Und wir hatten eine Mordsgaudi. Es war die Zeit, als man noch selbstverständlich das Telefonbuch nutzte. Heute frage ich mich jedes Mal wieder, wenn die Paletten voller dünnpapiergewordener Prachtschinken vor der Post umeinanderstehen, wer die eigentlich noch braucht, ob es überhaupt noch einen Wert hat, die zu drucken.

Dabei vergesse ich wahrscheinlich, dass nicht jeder für alles immer das Internet nutzt. Vielleicht nutzen die Lausbuben heute für jene Fälle das Netz, wofür wir noch einen Nummernschinken brauchten. Die Prozedur war jedes Mal die gleiche, wenn einer ein paar Stunden allein zuhause war und damit die Vollmacht über das Telefon hatte. Telefonbuchseiten über den Daumen rauschen lassen. Stopp sagen. Blind mit dem Finger über die Seite fahren. Stopp sagen.

Im besten Fall war das Opfer gleich gefunden, Nummer gewählt, los ging's. „Hallo Tante, bist es du?“ Opfer nicht zu Wort kommen lassen, gleich weiterreden. „Du, Tante, der Onkel Karl ist doch dein Bruder, jetzt sag doch mal, was soll ich dem schenken zu seinem Sechzger? Einen BH, damit er endlich seinen eigenen hat, wird ja auch wirklich immer fetter.“

Das war dann der Moment als mein Spezl und ich uns auf die Zunge beißen mussten. Arme, alte Frau am Telefon. Wir zwölf Jahre alt. Hundsgemein bis über beide Ohrwaschl. BH, allein das Wort ließ es aus uns herausprusten. Es war die Zeit, als Kinder noch nicht einmal das Wort „BH“ kennen durften. So war dann auch meist – und erhofftermaßen – die Reaktion am anderen Ende der Leitung. Bis heute tun mir die Mutterln leid, die sich hoffentlich nicht bis an ihr Lebensende aufregen mussten über die freche, versaute Verwandtschaft am Telefon, die noch nicht einmal eine Verwandtschaft war.

Bei allem Unsinn, den ich so betrieb: Das Telefon ist seitdem ein Freund, dem ich vieles anvertraue. Es gab Zeiten, da war ich kurz davor, den Stecker zu ziehen, und meinen ganzen Seelenramsch in die Muschel zu tröten. Aber dann fand sich doch wieder eine Nummer, die ich wählte, mit einem echten Menschen am anderen Ende. Nein, keine Sorge, ihn hatte ich nicht blindlings aus dem Telefonbuch. Aber wer weiß: Hätte es seinerzeit ein Sorgentelefon gegeben, von dem ich gewusst hätte, dass da jemand wie ich sitzt: Ich hätte mir die Nummer herausgeblättert.

quelle: http://www.wochenanzeiger.de/article/103837.html

Eine Nummer gegen Kummer

Mittwoch, 06. Oktober 2010

Seit vielen Jahren berät der Verein "Nummer gegen Kummer" Kinder und Jugendliche anonym und kostenlos bei Problemen, Ängsten und Sorgen. Wir erklären wie der Verein funktioniert und wie Gespräche ablaufen.

Als sich Christinas Freund von ihr trennte, brach für die 17-Jährige eine Welt zusammen. Drei Jahre waren die beiden unzertrennlich gewesen, und jetzt sollte alles vorbei sein? Christina weinte sich bei ihren Freundinnen aus. Die versuchten sie aufzumuntern: „Ist doch nicht so schlimm.“ Fürsorglich gemeinte Sätze, die Christina in dieser Situation aber nicht hören wollte. Sie fühlte sich betrogen, ausgenutzt, verletzt, allein und ratlos.

Durch Zufall erfuhr sie dann in der Schule die „Nummer gegen Kummer“, einem Kinder- und Jugendtelefon, an das sich junge Menschen mit ihren Sorgen und Fragen wenden können, wo ihnen jemand zuhört und sie berät – kostenlos und anonym. Christinas Anruf landete bei Lena W., einer 18-jährigen Gymnasiastin, die sich seit einem Jahr ehrenamtlich als Beraterin am Sorgentelefon engagiert. Christina hatte gleich das Gefühl, dass sie mit jemandem sprach, der genau wusste, wie sie sich fühlt. Ihren Schmerz über die Trennung war sie nach dem Gespräch nicht ganz los. Aber sie fühlte sich erleichtert.

Fast 800.000 Anrufe pro Jahr

Lena ist eine von insgesamt 3900 Beraterinnen und Beratern, die ehrenamtlich Kindern und Jugendlichen ein offenes Ohr anbieten. Wie wichtig dies für junge (weiterlesen…)

Sorgentelefon hilft deutschen Muslimen in Not

Dienstag, 14. September 2010

Das Muslimische Seelsorge-Telefon in Berlin ist das einzige seiner Art in Deutschland. 42 Ehrenamtliche beraten Muslime auf Augenhöhe.

Ein junges Mädchen ist in der Telefonleitung. Es ist ihr zweiter Anruf. Sie ist schwanger. Sie weiß nicht, wie sie das ihren Eltern beibringen soll. Der Vater des Kindes und sie sind nicht verheiratet, nicht einmal ein Paar. Sie ist ratlos und verzweifelt. Imran Sagir, Geschäftsführer des Muslimischen Seelsorge-Telefons, sitzt am Apparat und hört der jungen Muslima zu.
Er fragt nach, will wissen, ob sie sich schon an eine Fach-Beratungsstelle gewandt hat, wann sie das Gespräch mit den Eltern führen will, was sie sagen wird. „In einer religiösen muslimischen Familie ist das schon sehr schwierig“, sagt Sagir, nachdem er etwa eine dreiviertel Stunde mit dem Mädchen gesprochen und versucht hat, ihr zu helfen. „Wir versuchen Möglichkeiten gemeinsam mit dem Anrufer zu erarbeiten, wie der oder die Betroffene so eine Situation lösen kann.“

Das Muslimische Seelsorge-Telefon (MuTeS) in Berlin ist das einzige seiner Art in Deutschland und selbst noch eine relativ neue Einrichtung. Es ist ein gemeinsames Projekt von Islamic Relief in Kooperation mit dem Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und dem Caritasverband Berlin. Erst vor knapp einem Jahr, im Mai 2009, nahm das Beratungsteam seine Arbeit auf – 42 ehrenamtliche Telefonseelsorger, die alle Muslime sind und anderen Muslimen, die in Deutschland leben, in Krisensituationen und schwierigen Fragen weiterhelfen wollen.

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Offenes Ohr für anonyme Hilferufe

Sonntag, 12. September 2010

Der Anspruch der Telefonseelsorge ist heute noch genauso aktuell wie vor 57 Jahren. Damals, zur Geburtsstunde der Einrichtung, annoncierte ein Londoner Pfarrer in der Times: „Bevor Sie sich umbringen, rufen Sie mich an“.

Dies war die Uridee, die von vielen Anrufern beherzigt wird; mindestens einmal pro Tag meldet sich jemand bei der Bochumer Telefonseelsorge, der sich mit Suizidgedanken plagt oder sich um einen nahestehenden Menschen sorgt. Durch den Selbstmord Robert Enkes gebe es zwar nicht mehr suizidale Krisen, wohl aber beschäftigten sich die Menschen mehr mit dem Thema, weil es öffentlich wurde, sagt Mechthild Lünemann-Haering von der Bochumer Telefonseelsorge.

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